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„Lusst und Laster“ - Ausstellungseröffnung zu einem frühlingshaften Thema
16.03.2016 06:18 - Helmut Fleischhauer
Frank Otto Sperlich Dr. Günther Haußmann Dr. Günther Haußmann Stadtfernsehen im Einsatz Frank Otto Sperlich Besucher Frank Otto Sperlich Filmische Sequenzen Besucher von Gemälden von Frank Otto Sperlich Besucherinnen betrachten 'Hommage an eine Jungfer' von Walter G. Goes 'Hommage an eine Jungfer' von Walter G. Goes Werke von Walter G. Goes Wandteppich von Dr. Günther Haußman Besucher *Einen kleinen Moment noch', Frank Otto Sperlich Pausengespräche Pausengespräche Dr. Günther Haußmann (l) und Walter G. Goes Filmische Sequenzen 'First Position', Dr. Günther Haußmann Ohne Titel - Frank Otto Sperlich 'Wächter - Über die Geschichte der Erotik', Walter G. Goes von Walter G. Goes
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Sie kennen den geflügelten Begriff „Frühlingsgefühle“? Jedes Jahr beschleichen sie uns Menschen erneut und nehmen uns dann peu à peu in Besitz. Ganz keck behaupte ich, dass sie nicht nur den Begriff sondern auch das Gefühl sehr genau kennen.
„Lusst und Laster“ war der Titel der Ausstellungseröffnung am vergangenen Freitag im Forster Kompetenzzentrum …. und der Titel enthält keineswegs einen Schreibfehler. Lust ist so etwas Schönes, da ist eine Verdoppelung eines Buchstaben bereits im Titel mehr als angebracht.
Der Freitag begann mit schüchternen und keineswegs frühlingshaften +2° Celsius..
Abends im komfor betrachteten die Besucherinnen und Besucher schon vor dem Einnehmen der Plätze die Plastiken, Gemälde, Drucke und Zeichnungen von Frank Otto Sperlich, Walter G. Goes und Dr. Günther Haußmann, die sie zu dem Thema mitgebracht hatten. Üppiges, Hintersinniges, Nachdenkliches, Verständliches, Verwunderndes …
Filmischen Sequenzen zur Sittengeschichte von der wilhelminischen bis zur Neuzeit begleiteteten die Eröffnung der Ausstellung
Die Doppelmoral und der Zwiespalt zwischen dem offiziellen Dogma und der tatsächlichen Wirklichkeit wurden an vielen Beispielen verdeutlicht. Die Reaktionen der Besucherinnen und Besucher schwankte von Erstaunen bis zur Erheiterung. Die Damen des speziellen Gewerbes waren in der Gesellschaft verachtet, hatten aber reichlich Kundschaft. In noch stärkerem Maß galt das für die Herren, die dem homosexuell veranlagtem Teil der männlichen Bevölkerung ihre Dienste anboten.
Der erste Hersteller von Kondomen war bereits 1912 die Firma Fromm. Da die Kondome aber noch einen stattlichen Preis hatten, fiel den Damen des „Lustgewerbes“ eine Lösung ein … einsammeln, waschen und auf die Wäscheleine zum Trocknen hängen. Heute würde man das direktes Recycling nennen.
Im „Tausendjährigen Reich“ wurde es besonders für Menschen, die sich der gleichgeschlechtlichen Liebe hingezogen fühlten, sehr gefährlich. Die Gesetze ermöglichten eine drastische Verfolgung und drakonische Strafen. Nicht wenige der betroffenen Personen wurden in Konzentrationslagern eingesperrt. Bei der Zerschlagung der stark gewordenen SA wurde die Neigung von Ernst Röhm als willkommener Grund genutzt.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es einige Jahrzehnte, bis die vielen moralischen Zwänge gelockert wurden. Das war in beiden deutschen Staaten so.
Im Westen begann die Lockerung mit den Studentenprotesten 1968 und der beginnenden Hippiezeit.

In der Eröffnungsrede sagte Dr. Günther Haußmann: „Schon ganz lange ist mir klar: Alles was schön ist, ist entweder unmoralisch, ungesetzlich oder macht dick.“
Diese Doppelmoral lebt folglich noch immer.

In der Pause und nach der Veranstaltung sprach ich mit einigen Besuchern, die voll des Lobes waren … unabhängig vom Alter. So sagte eine Besucherin: „In den filmischen Sequenzen habe ich so manch mir bislang Unbekanntes erfahren.“

Frank Otto Sperlich – Jahrgang 1951 - ist Maler, Filmemacher, Kameramann und Regisseur
Walter G. Goes - Jahrgang 1950 – ist Grafiker, Maler und Lyriker
Dr. Günther Haußmann – Jahrgang 1948 – ist Künstler und Arzt

Die Herangehensweise der drei Künstler an das Thema „Lust und Laster“ ist sehr unterschiedlich, ein Besuch der Ausstellung ist ausgesprochen lohnenswert. Öffnungszeiten finden Sie hier auf der Webseite. Besuche zu anderen Zeiten sind nach vorheriger Absprache möglich!

Foto 1: Sabine Lindner mit den Künstlern Walter G. Goes, Dr. Günther Haußmann und Frank Otto Sperlich (v.l.n.r.)
Foto 2: Ein Besucher vor einem Kunstwerk (Wandteppich mit Zitaten von O.Wilde gestaltet von Dr. G. Haußmann.)
Foto 3: "Galatea" von Dr. Günther Haußmann (vorne), im Hintergrund Werke von Frank Otto Sperlich, Walter G. Goes und Dr. Günther Haußmann